Wiedersehen mit Hindernissen in Little Engadin
20./21.Mai 2022
Die Nacht war sehr erholsam sowohl für uns als auch die Pferde. Wir freuen uns auf diesen Tag, kommt doch Amilia aus dem Klassenlager zurück und wird von ihrem Götti zu uns nach Bärenthal gefahren. Das Wetter ist einmal mehr schön und es wird schnell heiss. Schon nach 10 Minuten klingelt mein Handy. Unsere liebe Gastgeberin ruft mich an. Wir haben unseren „Duschsack“ mit allen Shampoos und der Haarbürste in der Ferienwohnung liegen lassen! Schnell kommt sie mit dem Auto und bringt uns den Sack - wie froh sind wir, hätten wir die Sachen doch schmerzlich vermisst!!
Die Sonne brennt uns auf den Kopf, und um etwas länger im Wald bleiben zu können, wähle ich einen anderen Weg. Leider ist der nötige Verbindungsweg nur auf der Karte existent und wir müssen durch die Wiese laufen. Die Kinder jammern, es ist heiss, die Gräser zerkratzen einem die Beine und verwandeln die sowieso schon von den Mücken zerstochenen Beine in einen “Kratzmichtot-Höllenfleck”.
Wir kommen wieder auf den Weg und nach eineinhalb Kilometern finden wir einen schattigen Platz am Waldrand. Da machen wir Mittagspause. Das Schöne an der Mittagsrast im Schatten ist, dass es nicht so heiss ist und man Pause hat. Das Blöde daran ist: die Mücken kommen von überall her angeflogen und möchten auch gerne essen. In unserer Not sprühen wir uns mit Pferdemückenspray ein. Nun sind wir auch olfaktorisch eine Herde ;-))
Gerade als wir uns aufmachen, alles wieder für den restlichen Weg aufzubasten, klingelt mein Telefon erneut. Der Götti von Amilia ist am anderen Ende. Sein Auto hätte eine Panne und er schaffe es nicht rechtzeitig, Amilia in der Schule abzuholen. Die nächste halbe Stunde bin ich mit Telefonieren und Organisieren beschäftigt, aber schliesslich ist alles geregelt. Amilia wird nicht alleine dastehen und sie und ihr Götti werden etwas später als geplant zu uns stossen.
Zum Glück ist das letzte Stück der Route wieder im Wald und sehr spannend. Wir sind auf einem Teil des Jakobsweges. Es gibt ein Felsentor zu bestaunen und viele christliche Symbole und Gedenkstätten.
Endlich erreichen wir die Baera Lodge - unsere Bleibe für heute und morgen. Obwohl es ein Wohnmobilstellplatz ist, haben die Betreiber - ein Schweizer Paar - für uns eine Ausnahme gemacht und wir dürfen unser Zelt aufschlagen und die Pferde einzäunen. Wir fühlen uns, als wären wir zu Hause, reden wie uns der Schnabel gewachsen ist und essen leckere Cordonbleus in Super-Qualität. Schauen wir auf den gegenüberliegenden Hang, fühlen wir uns, als wären wir im Engadin, dazu der kleine Bach, welcher genau neben dem Zelt vorbeifliesst… Hätte ich ein Wohnmobil, würde ich bestimmt hier Halt machen :-)
Abends um sieben haben es Amilia und ihr Götti endlich geschafft! Die Freude ist riesig und es gibt viel zu erzählen! Und - ob ihrs glaubt oder nicht - meine Tochter ist in dieser Woche mindestens zehn Zentimeter gewachsen!! ;-))